Landshuter Zeitung/ Alfred Wiesner
Straubinger Tagblatt Am Holzacker 16
Leserbriefredaktion 84184 Tiefenbach
Betr: Steuerreform
Für die meisten ist unser Steuersystem ein Buch mit sieben Siegeln. Ich möchte an einem einfachen Beispiel mal aufzeigen, wie man in Bayern ohne „harte Arbeit“ reich werden kann. Ein Kind einer bayerischen Familie möchte in München studieren. Die Mieten dort sind teuer und deshalb kauft der Familienvater im Jahr 2000 eine Wohnung für 150000 € mit einem Kredit von der Bank. Zwanzig Jahre später verkauft er diese Wohnung für 500000 €, weil die Preise in München so stark gestiegen sind und investiert das Geld im Aktienmarkt. Beim Verkauf der Wohnung muss vom Zugewinn wohlgemerkt nichts versteuert werden. Die letzten fünf Jahre stiegen die World Wide ETF auf 800000 € und dann sterben die Eltern des Studenten. Dieser erbt nun das Aktienvermögen, das in dieser Höhe erbschaftssteuerfrei ist und hat ein erträgliches monatliches Dividendeneinkommen auf das er keine hohe Einkommenssteuer, sondern nur eine Kapitalertragssteuer von 25 %. bezahlen muss. Nach Söder und Aiwanger soll in Zukunft auch bei höheren Vermögen keine Erbschaftssteuer anfallen, da dieses Geld „ja hart erarbeitet“ wurde? Kaum zu glauben, aber wahr. Der damalige Student hat ein sattes Vermögen geerbt und verfügt ohne arbeiten zu müssen über ein monatliches Einkommen. Wie viele solcher „Erben“ es mittlerweile in Bayern gibt, weiß man nicht. Dieses kleine Beispiel soll den Bürgern zeigen, in welchem Ausmaß bei uns Vermögen und Vermögenszuwächse besteuert werden. Und Söder will die Erbschaftssteuer nun ganz abschaffen. Das ist seine spezielle Form von Steuergerechtigkeit. Der Unterschied zwischen der Belastung von Arbeitseinkommen und Kapitaleinkommen ist schon jetzt viel zu groß.






